Das Fragewort „Warum?“ ist eines der mächtigsten aller Frageworte. Eltern kleiner Kinder wissen das. Aber auch für uns Erwachsene hat dieses Wort ein immenses Potential. Durch das gezielte Nachdenken über das Warum können wir die Umstände unseres Handelns und unsere wahren Ziele klären.
Wer morgens nicht weiß, warum er aufgestanden ist, hat keinen Sinn im Leben mehr
Laut diverser Umfragen ist es um die Motivation der deutschen Angestellten nicht gut bestellt. Ca. 80% der Mitarbeiter machen demzufolge Dienst nach Vorschrift, haben innerlich gekündigt und/oder tragen sich mit Job-Wechselgedanken. Diese Quote ist seit Jahren relativ stabil und hat sicher viele Gründe. Aber sie zeigt meines Erachtens auch, dass viele Menschen ein Problem damit haben, sich darüber klar zu werden, wieso sie sich in einer Demotivationslage befinden.
Das ist äußerst bedenklich – ein Großteil der arbeitenden Bevölkerung soll ein interessenloses, maschinengleiches Wesen sein, das gleichsam wie ein Automat funktioniert?
Die Macht des „Warum?“
Kleinkinder sind Forscher. Sie geben sich nicht mit dem Augenscheinlichen zufrieden, sondern wollen Wirkzusammenhänge begreifen. Und so entstehen dann die berüchtigten Dialoge zwischen Mama/Papa und dem Kind:
„Warum geht Mama/Papa arbeiten?“ – Damit sie/er Geld verdient.
„Warum muss Mama/Papa Geld verdienen?“ – Damit wir die Miete bezahlen können.
„Warum müssen wir Miete bezahlen?“ – Damit wir hier wohnen dürfen.
Und so weiter und so weiter. Kinder sind erstaunlich kreativ, was das Interpretieren der Antworten auf ihre Fragen angeht. Doch ist die Fragerei der Kinder keineswegs boshaftes Quälen der Eltern, sondern die Neugier darauf, komplexere Sachverhalte zu entschlüsseln und zu verstehen.
Bei diesen Dialogen besteht das Problem für den Erwachsenen im offenen Charakter der Warum-Frage. Und eben dieser Charakter ist es, der der Warum-Frage auch für uns Erwachsene ein so großes Potential zur Steigerung unserer Lebensqualität verleiht – denn wenn es die zentralen Wünsche und Ziele geht, fischen viele Menschen genauso im Trüben wie die Kinder beim Verstehen-Wollen abstrakter Themen.
Wann man als Erwachsener „Warum“ fragen sollte
Jeder von uns hat seine guten und schlechten Tage. An einem schlechten Tag hilft es, mit dem inneren Ich den Warum-Dialog anzufangen. Beispiel:
„Warum bin ich heute Morgen bloß so früh aufgestanden?“ – Weil ich mich fertig machen muss.
„Warum muss ich mich fertig machen?“ – Damit ich zur Arbeit kann.
„Warum muss ich zur Arbeit?“ – Damit ich Geld verdiene.
„Warum muss ich Geld verdienen?“ – Damit ich das Essen, die Miete und alles andere bezahlen kann.
„Warum muss ich das alles bezahlen?“ – Damit es mir gut geht.
„Warum soll es mir gut gehen?“ – …
Ein zugegeben plattes Beispiel. Aber Sie haben die Idee verstanden, oder? Natürlich wäre es der Idealzustand, morgens aufzustehen und nur die Dinge zu tun, die man wirklich tun will. Aber bis man das wirklich tun kann, ist es manchmal ein weiter, beschwerlicher Weg. Auf diesem Weg braucht es kleine Kniffe, um der Antriebsschwäche entgegen zu wirken.
Den Dingen des Alltags Positives abgewinnen
Die Frage nach dem „Warum“ hilft uns, uns selbst daran zu erinnern, welche Vorteile wir letzten Endes aus unserem Tun ziehen können. Und so bekommt auch die ungeliebteste Tätigkeit ihre positiven Aspekte. Das Fokussieren auf diese Punkte verändert unsere Wahrnehmung und unsere Einstellung zu den Dingen. Wir rufen uns bildhaft ins Gedächtnis, was wir von unserem Tun haben. Und so macht man Dinge vielleicht nicht mit unbändiger Begeisterung, aber sie verlieren ihre intensive Negativität.
Das „Warum“ ist kein Allheilmittel?
Ich höre des Öfteren: „Alles gut und schön, aber letztlich ist das doch alles Selbstbetrug, und ein langweiliger Job bleibt ein langweiliger Job.“ Ja? Ist das so?
Warum?
Das „Warum“ als Wegweiser zu unseren wahren Zielen
Natürlich ist dieser Kniff nicht dazu geeignet, aus einer langweiligen Tätigkeit den hochspannenden, herausfordernden Job zu machen. Aber konsequent angewandt führen uns diese Fragespiele zum Kern dessen, was wir sind und was wir eigentlich wollen.
Grau aber ist aber jede Theorie. Und es ist ein Unterschied, ob ich weiß was ich will, oder ob ich dazu bereit bin, dem Wollen auch ein Tun folgen zu lassen. Dieses obliegt jedem Menschen selbst. Das ist nicht immer einfach, manchmal sogar recht beschwerlich. Aber auch hier leistet das „Warum“ einen sinnvollen Beitrag: Es hält einem einen Spiegel vor.
Probieren Sie es doch mal aus: Denken Sie an etwas, was Sie stört oder was Sie nicht gerne tun. Fragen Sie sich einfach: „Warum stört mich das?“ „Warum tue ich das?“ – Folgen Sie Ihren Antworten und lassen Sie sich überraschen, wohin Sie der Dialog führt. Am Besten ist es, wenn Sie sich Ihre Fragen und Antworten notieren und nach ein paar Tagen noch einmal vornehmen. Hat sich in Ihrer Wahrnehmung und in Ihren Gefühlen schon etwas geändert?
Und? Wissen Sie jetzt wieder, warum Sie morgens aufstehen?
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