In den vergangenen Postings zum Commitment haben wir festgestellt, dass die Unterschiedlichkeit der Menschen recht hohe Anforderungen an Führungskräfte stellt. Jede Mitarbeitergruppe, die aus mehr als einen Mitarbeiter besteht, stellt ein System dar, in dem sich unausgesprochene Regeln entwickeln, wo sich Meinungsführer heraus kristallisieren; wo die Menschen in ihrer Verschiedenheit Wege finden, Stabilität herzustellen. Um Commitment herzustellen, ist es wichtig, dass alle Mitarbeiter trotz ihrer Unterschiede an einem Strang ziehen.
Um das zu gewährleisten, sollte das Team gemeinsame Spielregeln definieren, die das gemeinsame Arbeiten steuern und verbindlich für alle Mitarbeiter gelten. Für eine optimale Selbstverpflichtung der Mitarbeiter gegenüber den Regeln ist es klug, die Mitarbeiter “ihre” Regeln selbst aufstellen zu lassen. Denn wer an der Erarbeitung aktiv beteiligt war, akzeptiert die Regeln eher, als wenn die Regeln von außen eingesteuert werden. Und für neu dazukommende Mitarbeiter bieten diese Regelungen einen Handlungsrahmen, der die Einarbeitung beschleunigt.
1. Leitbild
Wir kennen die Leitbilder großer Unternehmen, die in der Regel so weichgespült sind, dass sie als verbindliche Regelungen für jeden Mitarbeiter kaum noch taugen. Berühmtes Beispiel ist hier die unumgängliche Kundenorientierung. Solche Leitbilder sind im Sinne einer “philosophischen” Ausrichtung nicht falsch, führen aber im konkreten Team nicht unbedingt zu mehr zielgerichteten Handeln.
Egal, wie die Aufgabenstellung Deines Teams aussieht: Es sollte auf der Basis des Unternehmensleitbildes ein eigenes, konkret an Eurer Aufgabenstellung orientiertes Leitbild entwerfen. So weiß jeder Mitarbeiter, WARUM die Dinge in Deiner Abteilung so und nicht anders bewerkstelligt werden.
2. Spielregeln
Ein weites Feld. Hier sollte gemeinsam entwickelt werden, wie die anfallenden Arbeiten verteilt werden, wer sich um was kümmert, wie Informationen verteilt werden sollen und ob und wie Vertretungen organisiert sein sollen. Hier kann die gesamte Bandbreite des täglichen Geschäfts abgebildet werden.
Aber Vorsicht: Ein “zu wenig” genauso wie ein “zu viel” an Regelungen kann kontraproduktiv sein – das hängt von der charakterlichen Zusammensetzung Deines Teams ab. Besser ist, mit eher wenigen Regeln anzufangen. Denn bei Bedarf können und sollten die Spielregeln erweitert werden.
Wichtig ist, dass Regeln für den Umgang miteinander in Konfliktsituationen vereinbart werden!
Ebenfalls wichtig: Die Regeln sollten so konkret wie möglich definiert werden – damit es möglichst wenig Interpretationsspielraum gibt. Das bedeutet, dass man auch das begriffliche Verständnis klärt. So manche Regel ist gescheitert, weil Vertretung als Begriff eben sehr unterschiedlich ausgestaltet werden kann.
3. Verstöße
Die beste Regelung hilft nichts, wenn bei Verstößen keine Ahndung erfolgt. Diese sollten nicht unbedingt dem Strafgesetzbuch nachempfunden sein, das wäre dem Guten dann doch zu viel. Aber es gibt eine ganze Menge kreative Möglichkeiten, das zu lösen.
Ein Beispiel dafür ist mir aus den Anfangstagen meiner Berufstätigkeit im Gedächtnis geblieben: Wir waren eine heterogene Truppe aus Frauen und Männern. Von den Männern war einer berüchtigt für sein lockeres Mundwerk – was unseren Kolleginnen immer wieder sauer aufstieß. In einer Krisensitzung wurde das Thema mit den Betroffenen und dem “Verursacher” geklärt. Ab diesem Moment zierte die “Macho-Kasse” ein Regal unseres Büros. Für jeden frauenfeindlichen Spruch musste der “Verbrecher” einen bestimmten Betrag einzahlen. Nicht allzu lange danach haben wir im Sinne der Gleichberechtigung das dann umgekehrt auch für allzu feministische Äußerungen eingeführt. Sprüche gab es immer noch, und das grüne Sparschwein füllte sich recht zügig – und sein Inhalt wurde am Jahresende gemeinsam verfeiert. Die Stimmung war deutlich besser.
4. Die Rolle der Führungskraft
Wenn ich als Führungskraft etwas nicht schätze, dann sind es die sogenannten “Kindergartenspielchen”. “Du, Chef, der da hat aber gerade dies und das getan.” – ” Gar nicht wahr. Und überhaupt, immer macht die das und das…” Die Erwartungshaltung der Mitarbeiter ist in solchen Situationen immer die gleiche: Man kann und will den Konflikt eigentlich nicht austragen, sich nicht mit dem Kollegen auseinandersetzen – und nun soll es doch bitte schön der Chef richten und entschlossen und schnell eine Entscheidung treffen.
Als Führungskraft kannst Du da nur verlieren. Ich lehne es ab, in solchen Spielen mitzumachen. Ignorieren darfst Du die Kontrahenten hingegen nicht. Dein Job als Führungskraft ist es, in solchen Situationen eine moderierende Rolle einzunehmen und die Streithammel in ihrem Erwachsenen-Ich (–> Der Begriff entstammt der Transaktionsanalyse) anzusprechen und die Sache gemeinsam zu lösen.
Meiner Erfahrung nach kommt es gerade dann zu diesen Spielchen, wenn die system-internen Spielregeln nie geklärt und entwickelt worden sind, sondern sich schleichend manifestiert haben. Es empfiehlt sich daher, es gar nicht erst so weit kommen zu lassen und als Führungskraft ggf. den Prozess der Spielregeln-Gestaltung zu triggern.
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