Wolfgang Natzke ist ein wandelndes Beispiel dafür, wie man mit Konsequenz, Werte-Orientierung und einer ordentlichen Portion Mut seine Berufung und seinen Weg finden kann. Und er gehört zu den wenigen mir bekannten Menschen, die neben GTD auch Elemente des Personal Kanban praktizieren. Er war so nett und hat sich meinen Fragen gestellt – viel zu lesen, aber ich finde, es lohnt sich.
Niels: Wolfgang, vielen Dank, dass Du Dir die Zeit nimmst und uns einen Einblick in Jobperform, meister-training.de und vor allem in die Gedankenwelt des Coaches und Trainers Wolfgang Natzke ermöglichst. Wie war Dein Werdegang und was hat Dich dazu bewegt, Deine Firma zu gründen?
Wolfgang: Vieles im Leben braucht offenbar den richtigen Zeitpunkt und den nötigen Mut zu einem Entschluss. Ich habe einen großen Teil meines Lebens mit der Suche nach meiner Berufung verbracht hat, ohne dass es mir bewusst war. Ganz häufig hatte ich in meinem „ersten“ Berufsleben das Gefühl, „hier bist Du völlig verkehrt“. Ich fühlte mich weder befriedigt noch erfüllt oder gar zufrieden. Das hatte vor allem mit den Rahmenbedingungen, den fremdbestimmten Regeln und den Verfahren zur Umsetzung zu tun.
Ich gönnte mir eine durchweg lockere Schulzeit, bis zu dem Zeitpunkt, wo ich wegen Leistungsverweigerung in zwei Fächern des Gymnasiums verwiesen wurde. Rausschmiss – was jetzt? Ich ging einfach auf die Hauptschule. Nach einem Jahr wechselte ich zu einer Berufsfachschule für Elektrotechnik, die ich mit der Mittleren Reife erfolgreich abschloss. Danach Lehre zum Elektromechaniker mit extrem verkürzter Ausbildungszeit wegen der Berufsfachschule und der vorzeitigen Zulassung zur Gesellenprüfung. Dann: Berufsausbildung zum Elektromechaniker – Betriebselektriker – Abitur nachgemacht – Studium Elektronik & Informatik – Entwicklungsingenieur für Medizinelektronik – Applikationsingenieur – Leitender Projektingenieur mit Langzeit-Auslandsaufenthalt in den USA – berufsbegleitendes Aufbaustudium Wirtschaftsingenieur – Nebenberufliche Dozententätigkeit – Leiter der Aus- und Weiterbildung – Technischer Geschäftsführer. Dann 2002 der CUT. Was war passiert?
Es war mir einfach nicht mehr möglich, mein Führungsverständnis und meine Art, Menschen zu führen, mit den geforderten betrieblichen Rahmenbedingungen in Einklang zu bringen. Meine Führungskultur basiert, wie ich meine, auf ein paar einfachen Annahmen:
- „Vertrauen ist der Anfang von Allem“ – dieser Werbeslogan einer Bank war für mich gelebte Grundlage in der Zusammenarbeit mit meinen Mitarbeitern.
- Respekt vor dem Mitarbeiter und
- der aufrichtige Wille und die Fähigkeit zur ehrlichen Kommunikation auf Augenhöhe, um eine Grundlage zur Mitarbeitermotivation zu haben.
Diese persönlichen Maxime durfte ich immer weniger leben. Einigen meiner Führungskollegen war meine Mitarbeiternähe verdächtig und ungeheuer. Ich erfüllte meine betrieblichen Zielsetzungen mit einer enormen Mitarbeitersolidarität. Ich musste mich immer häufiger für meine „unorthodoxe“ Menschenführung gegenüber der Konzernleitung rechtfertigen. Wie aber sollte ich meine Mitarbeiter ohne jegliche Sinnhaftigkeit und Selbstmotivation motivieren? Nichts ging mehr! Die für mich einzig tragfähige Konsequenz nach familiärer Rücksprache war – leave it!
Ich hatte zwischenzeitlich immer wieder als Trainer für die unterschiedlichsten Dinge gearbeitet. Dabei war mir aufgefallen, dass es immer häufiger Inhalte wie Kommunikation, Motivation und Führung waren, die ich voller Leidenschaft und Begeisterung lebendig vermittelte. Nach Reflexion meiner Erfahrungen war mir schnell klar, das kannst du besser als viele der gängigen Seminaranbieter.
Ab dem Zeitpunkt begann das zweite Leben des Wolfgang Natzke. Die Metamorphose vom rational-technischen Diplomingenieur zum Anbieter von Seminaren und Coachings, die keine „Stangenware“ sein sollten, war vollzogen. Ich bündelte mit meiner Frau unsere Kompetenzen. Das war die Renaissance des schon im Vorfeld gegründeten und bis zu diesem Zeitpunkt zum Job parallel geführten Unternehmens jobperform® und die Geburtsstunde von www.meister-training.de.Der Tenor von jobperform® lautet: Wir wollen das Beste für Sie, nicht das Angenehmste.
Mein Fazit bis jetzt: Monetär habe ich bis jetzt noch verloren – aber an Zufriedenheit und Lebensfreude deutlich dazugewonnen! Ein Zurück in das alte Leben kann ich mir nicht mehr vorstellen! Endlich erfahre ich, wie erfüllend Berufung sein kann.
Was unterscheidet Deinen Trainings- und Coaching-Ansatz von denen anderer Anbieter? Ich weiß, man plaudert nicht gern aus dem Nähkästchen, aber Anbieter zu PE und Softskills gibt es ja viele…
Unsere Ansätze unterscheiden sich in vielfältiger Weise von denen unseres Wettbewerbs. Meine Frau und ich kommen beide aus einer langjährigen Berufspraxis mit „serpentinenartigem“ Verlauf, daher können wir viele unterschiedliche Perspektiven einnehmen. Häufig treten wir bei unseren Klienten als Team auf. Auf diese Art bekommt der/die Teilnehmer bzw. der Klient ein Maximum an Betreuung und Impulsen. Unser Vorgehen stützt sich dabei auf ein Portfolio unterschiedlichster interaktiver Methoden. Wir legen besonderen Wert auf eine individuelle, persönlichkeitsgerechte Vermittlung auf der zwischenmenschlichen Ebene.
Wir bieten praxisorientierte, interaktive Seminare, in denen das Einbringen persönlicher Erfahrungen und das Verständnis für die Problematik des Teilnehmers ein hohes Maß an Authentizität schafft. Weiterhin eine entspannte Trainingsatmosphäre und einen dynamischen Seminarverlauf durch „lockere“ Interaktionen, die für eine kurzweilige und unterhaltsame Erarbeitung von lösungsorientierten Resultaten auf Augenhöhe sorgen. Dazu hinterfragen wir diskret, aber immer kritisch und durchdringend, um zu tatsächlich relevanten Ergebnissen zu gelangen, von denen unser Kunde unmittelbar profitiert.
Das gilt auch für unser Coachingverständnis. Wir arbeiten streng werteorientiert. Wir verweigern uns dem Hype, einen Menschen in ein recht starres kategorisiertes System, wie zum Beispiel dem DISG-Modell, zu stecken. Nur eine Herausarbeitung der Individualität – der persönlichen Werte – wird dem Kunden wirklich gerecht. Der zu zahlende Preis liegt in dem erheblich zeitaufwendigen Verfahren und der unbedingt notwendigen Bereitschaft des Kunden zur kritischen Reflexion sowie der Ehrlichkeit sich selbst gegenüber. Die Grundlage für unsere Arbeit ist die aufrichtige Bereitschaft zur Veränderung!
Wie organisierst Du Dich? Nutzt Du eine Methode wie GTD, Personal Kanban oder ähnliches? Wie hältst Du es mit Deiner Aufgaben- und Terminplanung?
Ich könnte jetzt behaupten, die tollsten Tools im tagtäglichen Einsatz zu haben. Aber ich oute mich jetzt: Das Programm, mit dem ich mich noch organisiere, ist nach wie vor Outlook 2007. Ich bin in Deinem Blog Day-Spotting auf den Beitrag „GTD mit MS Outlook 2007“ aufmerksam geworden. Die Anwendung von GTD in Verbindung mit Outlook scheint mir nach dem durchlesen des Skriptes für mich persönlich zukunftsträchtig. An dieser Stelle nochmals herzlichen Dank für Dein liebevoll und locker gestaltetes PDF-Dokument. Personal Kanban leben wir in einer auf unsere Situation adaptierte Weise als „jobperform®-Kanban“. Dazu nutzen wir eine sehr große Whiteboard –Tafel. Weiterhin versuchen wir mit immer besserem Erfolg die Anwendung eines Ordnungssystems im Sinne der 5S- Methode – es gilt eben immer wieder den „inneren Schweinhund“ auszutricksen. Ansonsten lebe ich ausgezeichnet mit meinem Palm für die Aufgaben- und Terminplanung; immer unter strikter Anwendung des Eisenhower-Prinzips „Wichtigkeit vor Dringlichkeit“ und der Rangfolge „schlimme“ Aufgaben zuerst. Ich bin zurzeit noch auf der Suche nach einem für mich passendem Mobiltelefon, dass meinen Ansprüchen im Office-Bereich wirklich in Gänze gerecht wird.
Was sind Eure Ziele für 2010? Und wie habt Ihr die Umsetzung geplant?
Im letzte Jahr haben wir uns intensiv mit den Bedarfen der Weiterbildung auseinander gesetzt und in Anlehnung daran, für das Jahr 2010 – 3 Produktsäulen entwickelt.
- Entwicklung der Führungskompetenz auf der Meisterebene zur Verbesserung der Abläufe im Qualitätsmanagement (www.meister-training.de)
- Vermittlung von Argumentationskompetenz, um u.a. Meetings schneller und ergebnisorientierter gestalten zu können (www.argumentieren-lernen.de)
- Aus dem großen Bereich des Profilings setzen wir das Tool ProfilPASS, als bundesweit standardisiertes Instrument ein, bilden zum ProfilPASS-Berater aus und fungieren als Dialogzentrum für Berater (www.job-perform.com)
Wir halten klassisches Marketing als zunehmend teuer und ineffektiv, daher vermarkten wir uns konsequent online über entsprechende Plattformen und Vernetzungen. Blog- und Presseartikel finden dabei großen Einsatz.
Für Entscheider ist unserer Erfahrung nach der monetäre Aspekt der Weiterbildung nicht das Problem. Die entscheidende Hürde, Trainings oder Coachings einzukaufen, besteht darin, die Mitarbeiter in dieser Zeit frei zu stellen. Dieser Thematik werden wir uns strategisch in diesem Jahr annehmen.
Darüber hinaus haben wir folgende Situation als problematisch erkannt: Trainer und Berater arbeiten nicht oder kaum prozessorientiert. Daher wollen wir als Trainer und Berater uns mit den Strategien unserer Kunden auseinander setzen und Hilfestellungen in der Strategie-Entwicklung leisten. Wir müssen mit unserem Kunden „Zukunft entwickeln“. Das wird unsere strategische Entwicklung in 2010 ausmachen.
Vielen Dank und viel Erfolg!
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