RSS

Schlagwort-Archive: Akquise

Soziale Netzwerke: Kontakte für sich allein haben (k)einen Wert

Derzeit ist richtig Bewegung im Bereich des Online-Marketings: Immer mehr Dienstleister sprießen aus dem Boden und versprechen wahnsinnig erfolgreiche Erfolgsmodelle im Umfeld der sozialen Netzwerke. Da sind die SEO´s (Search Engine Optimizer), die einem durch gute Suchmaschinen-Rankings Erfolg garantieren, da sind die Kontaktsammler, die mit “Masse statt Klasse” Kunden ködern. Es gibt zu dutzenden Erfolgs-Ratgeber zum Download… Der kleine Mittelständler reibt sich Augen und Ohren und fürchtet, was zu verpassen. Um was geht es da eigentlich und was ist an den Angeboten dran?

Ohne Internet geht es heute nicht mehr

Ich habe ja schon hier deutlich gemacht, warum ich der Ansicht bin, dass Markting keine Frage mehr der analogen oder digitalen Welt ist. Beide sind eins und gehören in einen Marketing-Mix sinnvoll miteinander verknüpft. Mit einer Internetseite allein ist es aber in den meisten Fällen nicht mehr getan. Große Beachtung sollten Unternehmer auch den sozialen Netzwerken schenken, denn wo sonst besteht die Möglichkeit, mit Bestandskunden und solchen, die es werden sollen, in unmittelbaren Kontakt zu treten?

Ein Missverständnis

Und genau an dieser Stelle unterscheidet sich Online-Marketing vom konventionellen Marketing. In der analogen Welt haben wir Visitenkarten verteilt, Flyer an Haushalte verteilen lassen, haben vielleicht in Zeitungen und Käseblättern Anzeigen geschaltet. Aber all das war nur der Versuch, mit einer Pistolenkugel in einem Mückenschwarm ein paar Mücken zu treffen. Über die Wirkungsgrade solcher Methoden kann man vortrefflich diskutieren. Den analogen Versuchen der Akquisition gemein ist das Problem, den Kunden in der Regel nicht zu kennen. Daraus resultiert ein großer Aufwand, um überhaupt an die Stellen zu kommen, an der man sein Leistungs- und Produktportfolio präsentieren kann – von den Schwierigkeiten des Erfolgscontrollings solcher Maßnahmen ganz zu schweigen. Dieses Prinzip nun einfach in die Internetwelt transferieren zu wollen, wird weder den Möglichkeiten des Webs gerecht, noch macht es kaufmännisch gesehen einen Sinn. Denn die Trefferquote erhöht sich ja nicht dadurch signifikant, dass ich auf den Schwarm statt einem nun zwei Schüsse loslasse. Verstehen Sie mich nicht falsch – diese Methoden haben ihre Daseinsberechtigung und gehören in einem Marketing-Mix auch dazu. Sie sind aber nicht alles.

Marketing Werbung Internet Conversions

(c) by jaylopez, StockExchange

Online-Marketing heißt, den Sinn eines sozialen Netzwerkes, nämlich bilaterale wertvolle Kommunikation, sinnvoll für sich zu nutzen. Das wahre Potential liegt darin, den Kontakten einen Mehrwert zu liefern. Passiert das, findet auch im Netz Empfehlungsmarketing statt – nur deutlich schneller und in ganz anderen Dimensionen als im Real Life. 20.000 Kontakte bei Xing als Beispiel nutzen Ihnen im Online-Marketing gar nichts, wenn Sie als Unternehmen diese Kontakte nicht aktiv kommunikativ bedienen, sich am sozialen Netz nicht wirklich beteiligen und vor allem, das Netz nicht an Ihnen teilhaben lassen. Sie haben in der Online-Welt die Chance, Menschen an sich zu binden, die noch gar keine Kunden sind.

Marketing ist nicht Werbung…

…sondern geht weiter. Marketing ist Werbung + Imagepflege + Kundenservice + Dienstleistung + gute Produkte + usw. Das ist eine betriebswirtschaftlichen Binsenweisheit, wird aber immer wieder gern gleichgesetzt. Mit diesem Fokus betrachtet lässt sich das Internet heute wirklich fantastisch nutzen – so denn die Aktivitäten sinnvoll in ein Gesamtkonzept eingebunden sind. Bei Facebook beispielweise gibt inzwischen zahlreiche Beispiele, was in diesem Bereich auch für kleine Unternehmen möglich ist.

Suchmaschinen-Optimierung und Co.

Eine Internetseite kostet Geld. Und natürlich haben Sie als Unternehmer ein Interesse daran, dass die Seite nicht nur im Internet steht, sondern auch möglichst zahlreich besucht wird. Hier kommen die Suchmaschinen ins Spiel. Je höher Ihre Platzierung in den Ergebnislisten sind, umso größer wird die Wahrscheinlichkeit, dass Besucher Ihre Seite finden. So weit, so gut.

Inzwischen gibt es eine ganze Branche, die sich mit nichts anderem beschäftigt, als Internetseiten so zu optimieren, dass sie in den Ergebnislisten der Suchmaschinen besser platziert sind. Im Grundsatz ist dagegen nichts zu sagen. Aus einem besseren Ranking heraus nun aber durchschlagenden Erfolg zu versprechen, ist nach meinem Geschmack eine heikle Angelegenheit. Denn was nützt es Ihnen, wenn zwar deutlich mehr Leute Ihre Seite finden – aber leider nach 2 Sekunden zum Konkurrenten klicken, weil Layout und Texte und was-auch-immer auf Ihrer Seite die Menschen nicht zum Lesen und Verweilen einladen? Nur ein Besucher, der bleibt, kann auch zum Kunden werden.

Ein weiteres Problem: Nach welchen Algorithmen die Suchmaschinen ihre Ergebnisindizes erstellen, ist streng gehütetes Geheimnis bei Google und Co. Die Optimierer wissen also nicht, an welchen Stellen und mit welcher Gewichtung tatsächlich Optimierungen der Seite zu einem besseren Ranking führen.

Um es klar zu sagen: Es gibt Grundregeln, die man beim Texten und Gestalten von Internetseiten immer beachten sollte und die mit ziemlich großer Wahrscheinlichkeit Einfluss auf das Ranking haben. Und es gibt viele SEO-Dienstleister, die hier seriöse und gute Arbeit leisten. Aber es gibt leider auch eine sehr große Zahl an Unternehmen, die diese Allgemeinplätze für teures Geld verkaufen und Ihnen als KMU das blaue vom Himmel herunter versprechen.

Content is king

Inhalt ist der Schlüssel zum Erfolg. Sie müssen auf Ihrer Internetseite, auf Ihrem Blog und in den Kanälen der sozialen Netzwerke guten, wertvollen Inhalt liefern. Und das am besten multimedial. Statt eines an 20.000 Kontakte verschickten digitalen Flyers (manche Menschen nennen so etwas auch Spam) können Sie in der direkten, persönlichen Kontakt-Kommunikation viel weitreichendere Effekte erzielen. Es braucht nicht viel Sachverstand um zu verstehen, dass dieser Weg Zeit benötigt. Aber langfristig zahlt es sich aus.

Wertvolle Inhalte? Was das sein könnte, finden Sie eigentlich schnell heraus, wenn Sie mit offenen Augen und Ohren die Streams Ihres Netzwerkes verfolgen – was wird weitergeleitet, was auf Facebook und Twitter geteilt? Das können interessante Artikel über neue Produkte sein, über neue Trends in Ihrem Marktsegment. Das können Videos sein, Präsentationsfolien – alles was für andere interessant und der Entwicklung eines positiven Marken- und Firmenimages zuträglich ist. Es lohnt sich, ruhig in diesen Medien auch Mal ein wenig zu experimentieren.

Fazit

Vorsicht! Wann immer ein Dienstleister Ihnen den schnellen Wahnsinnserfolg im Internet verspricht – egal, womit – dann seien Sie bitte auf der Hut. Überlegen Sie sich genau, wie plausibel das Angebot eigentlich ist. Im Zweifel sollten Sie sich an einen anderen Experten wenden und die Chose hinterfragen.

Nur Mut! Die Möglichkeiten des Mit-mach-Internets sind weit gefächert. Es lohnt sich, gerade auch für Klein-Unternehmen, hier präsent zu sein und sich seine eigene Netzwerk-Gemeinschaft zu erschließen. Aber bitte auf eine Art und Weise, die zu Ihrem Unternehmen passt und authentisch ist. Alles andere macht Sie unglaubwürdig – im Marketing eine Todsünde.

 
Leave a comment

Geschrieben von - 25. Juni 2010 in Marketing, Social Networking, Unternehmer, Web 2.0

 

Schlagwörter: , , , , , , , , , ,

Zehn Gründe, warum Unternehmen sich im Internet aktiv präsentieren müssen

Vor acht Jahren habe ich bei einem Internet-Workshop die Frage gestellt, ob Unternehmen im Internet aktiv sein müssten? Damals war die einhellige Ansicht des Auditoriums: Man sollte sich damit beschäftigen und Chancen evaluieren, ja, aber einen Zwang, nun unbedingt auch eine Internetseite zu haben, gab es nicht. Heute lautet meine Antwort: Ja, sie müssen. Das Internet ist zu einem normalen kommunikativen Bestandteil des Lebens geworden – und gehört somit in jedes vernünftige Marketing-Konzept integriert. Zehn Gründe im Detail:

1. Die Kunden sind bereits da

90% der Deutschen sind laut ITU (International Telecommunication Union) im Internet – also eigentlich alle. Und tatsächlich finden immer mehr Aspekte des täglichen Lebens auch oder z.T ausschließlich in der digitalen Welt statt (Google statt Gelbe Seiten, Online-Portale statt Versicherungsbüro, Produkt- und Servicebewertungsportale usw.). Keineswegs beschränkt sich dieser Wandel nur auf den B2C-Bereich, auch das B2B wickelt sich zunehmend über die persönlichen Kontakte im Internet ab – es war ja auch nie leichter als heute.

2. Alle Altersgruppen sind online

Waren es vor zehn Jahren noch eher die Youngster und Technik-Freaks, die sich im Netz tummelten, nutzen es heute mit Ausnahme der Säuglinge und Kleinkinder alle.  Laut TNS ist dabei die Hälfte der deutschen User in den Sozialen Netzwerken wie Xing, Facebook und Co. aktiv unterwegs. Somit eröffnen sich hier neue Formen des Marketings und der Werbung. Der neue VW Polo GTI beispielsweise soll komplett im Internet über die Plattform Facebook (mit ca. 9 Mio. Mitgliedern eine der größten Plattformen in Deutschland für soziales Netzwerken) eingeführt werden.

3. Das Internet ist Echtzeit-Kommunikation

Das heutige Internet ist nicht länger ein Sammelsurium von statischen Seiten und Online-Shops. Das Internet (heute auch als Web 2.0 bezeichnet) ist ein  Mitmach-Internet; von Micro-Nachrichtendiensten wie Twitter über soziale Netzwerke über Online-Zusammenarbeit bis hin zum Austausch über Produkt- und Servicequalitäten (z.B. Holidaycheck) – das Internet in seiner Nuancenbreitheit ist zu einem großen Resonanzkörper für die Gesellschaft worden. Das Internet ist für die Menschen heute Bestandteil des täglichen Lebens. Marketing und Kundenkommunikation darf diesen  Bereich nicht vernachlässigen, sondern muss sich ihm aktiv widmen, ihn aktiv integrieren. Denn: Über Unternehmen wird im Internet gesprochen – so oder so, denn noch nie war das so einfach. Für das Marken- und Firmen-Image  bedeutet dies: Aktive Teilnahme am Geschehen ist Pflicht.

4. Vergleichen im Markt ist so simpel wie nie

Und zwar sowohl für die Kunden als auch für Unternehmer. Dies erfordert vor allem auf Seiten der Unternehmer den Abschied von althergebrachten Marktgebaren und Werbemethoden. Der Kunde ist nur einen Klick von der Konkurrenz entfernt. Wenn ein Unternehmen gar nicht im Internet ist, ist es eigentlich schon so gut wie vom Markt. Denn: Die Internetbenutzer bedienen sich bei der Informations- und Preisrecherche zunehmend zuerst der Online-Möglichkeiten (ich “google” das mal). Preisrecherchen, Produktbewertungen etc. via Internet sind heute der Standard. Gleichzeitig war es für Unternehmer noch nie leichter, sich über ihre Konkurrenz im Markt zu informieren und aus den Erkenntnissen eigene Wettbewerbsvorteile zu erzeugen. Was macht eigentlich Wettbewerber xy? Wie sieht sein Marketing aus? Wo ist er schlecht, wo gut? Wie gehen andere Branchen in den Online-Medien vor? Usw. usw.

5. Neue Wege werden möglich

Ein inzwischen wirkliches Problem für die Kalt-Akquise beispielsweise sind die rechtlichen Beschränkungen. Ohne Zustimmung des potentiellen Kunden dürfen Sie ihm eigentlich keine Mail schicken und nicht anrufen. Andere Formen der Akquise (Flyer, Infobrief etc.) sind kapitalintensiv - und bezüglich des Return-On-Investment mindestens fragwürdig. Letztlich basieren diese klassischen Marketingformen auf dem Prinzip des “mit-dem-Gewehr auf den Mückenschwarm schießen (und hoffen, dass man zwei, drei Mücken trifft). Hier bietet  das Internet heute ganz andere Möglichkeiten. Durch die soziale Vernetzung ergeben sich andere, neue Kommunikationswege, die man nutzen kann. Der Weg über Soziale Netzwerke bietet einen Türöffner, den Unternehmen brauchen, um ihre Produkte und Leistungen zum Kunden zu bringen und ihm den Mehrwert deutlich machen zu können.

6. Firmen werden persönlich

Wo kauft ein Mensch eher ein, in einem ihm wohlbekannten Geschäft, mit dem er bestimmte Gesichter (den Verkäufer, den Geschäftsführer, den Servicemeister) und positive Emotionen verbindet oder in einem anonymen, abstrakten Gebilde? Die Antwort liegt auf der Hand. Der Schlüssel ist das berühmte Vitamin B – man kennt sich, man verbindet als Kunde bestimmte angenehme Merkmale mit dem Unternehmen und kommt wieder. Und eben hier liegt einer der großen Vorteile der sozialen Netzwerkdienste: Aus Ihrem dem Kunden unbekannten Unternehmen mit irgendwelchen Produkten wird plötzlich ein Name mit Gesicht, mit dem man aktiv via Internet kommunizieren kann. Richtig angewandt können Unternehmen sich hier positiv positionieren, in dem sie rund um ihre Produkte z.B. Hintergrundinformationen anbieten und für den Kunden “greifbar” werden. Unternehmen können so schon vor dem ersten Verkauf beim Kunden einen Mehrwert schaffen und sich damit ins Gedächtnis des Kunden einschreiben.

7. Unmittelbare und potenzierbare Kommunikation

Das Mitmach-Internet (s.o.) ist da und wird massiv genutzt. Da wird gebloggt (“Internet-Tagebuch”), sich ausgetauscht, alles und jedes/jeder kommentiert. Wer es als Unternehmen schafft, sich hier ein solides Netzwerk zu bauen und zu bedienen, kann mit einer ordentlichen Aktion auch mittelbar viel Wirkung erzielen. Denn man erreicht plötzlich nicht nur die unmittelbar mit einem selbst verbundene Kommunikationsebene, sondern über Techniken wie z.B. des ReTweets (Twitter) oder Fan-Seiten (Facebook) auch potentielle Kontakte aus der zweiten und dritten Reihe. So kann sich eine simple Meldung schnell potenzieren, und das in kürzester Zeit. Hier aktive Unternehmen haben darüber hinaus die Chance, mitzubekommen, wenn Kunden sich unzufrieden äußern. Mit einem professionellen Umgang mit der Kritik lässt sich weiteres Vertrauen der Kontakte in das Produkt, in die Leistung und vor allem in das Unternehmen schaffen – Marketing und Imagepflege, wie sie sich klassisch kaum realisieren lässt.

8. Zielgruppengerechte Ausrichtung von Kommunikation

Klassische Werbung lebt von Masse und Wiederholung in der Hoffnung, die richtigen Menschen für die eigenen Produkte zu interessieren. Mit den modernen Möglichkeiten im Internet-Marketing können Unternehmen ihre Bemühungen viel stringenter auf ihre jeweiligen Zielgruppen ausrichten. Das heißt nicht, dass Unternehmen auf die konventionellen Möglichkeiten verzichten sollten – aber über das Verhältnis konventioneller zu Online-geführter Werbung/Marketing sollten Unternehmen aber schon nachdenken.

9. Deutliche Verbesserung des Kosten-Nutzen-Verhältnisses

Werbung und Marketing kosten viel Geld und, richtig betrieben, auch viel Zeit. Das gilt seit jeher. Es ist ja nicht damit getan, Flyer zu drucken und Anzeigen im Käseblättchen zu schalten. Marketing und Werbung bedeuten immer auch Erfolgskontrolle. Welche Maßnahmen haben funktioniert, welche nicht und warum? In der analogen Welt ist dieses mit viel Aufwand verbunden, denn Sie müssen in der Regel Ihre Neu-Kunden fragen, über welchen Weg sie auf Ihr Unternehmen aufmerksam geworden sind. Deutlich effektiver geht das im Internet: Da Unternehmen und Kunden in den Netzwerken den Kommunikationskanal teilen, ist es für die Anbieter viel einfacher, die Effektivität ihrer Online-Aktivitäten zu messen. Beispiel Homepage: Es ist heute kein Problem, die Attraktivität der eigenen Internetseite zu analysieren. Zugriffszahlen, Verweildauer auf einzelnen Seiten, welchen Weg hat der Besucher durch die Seiten genommen, wo hat er die Internet-Präsenz wieder verlassen – all das lässt sich ohne viel Aufwand mitschneiden, auswerten und zielgerichtet optimieren. Unternehmen können erkennen, was die Kunden interessiert und ihr Angebot entsprechend modifizieren. Und das alles zu Kosten, die deutlich niedriger sind als im konventionellen Marketing.

10. Digital ist die Komplementierung des Analogen

Kein Unternehmen kann auf Online-Marketing im Internet verzichten. Eine Homepage allein reicht dabei aber schon lange nicht mehr. Aktive Kommunikation im Netzwerk ist gefragt – die Firmenhomepage ist hierbei ein Element von mehreren. Auch die klassische Werbung hat derzeit nach wie vor ihre Daseinsberechtigung, denn ebenso,  wie es sich Unternehmen eigentlich heute nicht mehr leisten können, nicht im Internet zu sein, können sie es sich nicht leisten, die analogen Wege zu vernachlässigen. Entscheidend ist hier die strategische Ausrichtung des Marketings – was soll erreicht werden? Neukunden-Akquise? Mehr Service? Neue Vertriebswege erfinden? Diese Fragen müssen gestellt und beantwortet werden – dann können sich Unternehmen daran machen, die einzelnen analogen und digitalen Puzzlesteine der Werbung und des Marketings zielgerichtet zu einem Bild zusammenzubauen. Das müssen nicht immer die wahnwitzigsten Aktionen sein – ich habe hier ja schon über die Postkarten-Aktion des Barockschlosses berichtet.

Die zentrale Frage in der heute vom Internet so stark geprägten Welt ist also nicht mehr, ob man als Unternehmer/Unternehmen in dieses Medium eintauchen muss – sondern ob man es sich leisten kann, es nicht zu tun.

 
 

Schlagwörter: , , , , , , , , , , , , , , , , , , ,

Interview mit Alexander von Halem alias “barockschloss”

Die twitter-Aktion von “barockschloss” hat mich beeindruckt. Neugierig wie ich bin habe ich Alexander von Halem gefragt, ob er mir ein paar Fragen beantworten würde. Er hat – kurzfristig und spontan, während sein Töchterchen Mittagschlaf gehalten hat (moderne Väter…). Hier das Interview und ein Video, damit Ihr einen Eindruck bekommt, wie es in so einem romantischen Barockschloss so aussieht.

Niels: Alexander, vielen Dank, dass Du Dir die Zeit für die Beantwortung von ein paar Fragen nimmst. Diese Crowd-Source-Aktion für die neuen Postkarten des Barockschlosses – war das eine spontane oder eine durchgeplante Aktion? Und warum hast Du ausgerechnet diesen Weg gewählt?

Alexander: Ja, wie vieles, was ich im Web anzettele bzw. in meinem Blog schreibe, war die Crowdsourcing-Aktion für das Postkartenmotiv eine ziemlich spontane Entscheidung, die ich auch recht schnell umgesetzt habe. Das heißt nicht, dass sie nicht schon auf wohl genährtem Boden gewachsen ist. Ich beobachte nämlich schon seit geraumer Zeit, was sich im Netz in dieser Hinsicht tut, wie gerade auch kleinere Familienunternehmen die Befragung ihrer Stammkunden zur Entscheidungsfindung einsetzen.

Ich habe diesen Weg (Einstellen von 6 Fotos im Schlossblog mit gleichzeitiger Verlinkung bei twitter, XING, Facebook und über den email Newsletter Verteiler) gewählt, weil ich mir neue Sichtweisen erhofft hatte. Und eben auch die Bestätigung oder Negierung meiner eigenen Meinung zur Bildauswahl. Das hat so auch bestens funktioniert, denn ich erhielt Hinweise, auf die ich aus eigener Betriebsblindheit sonst nie gekommen wäre. Beispiel: dass ein Foto nicht ginge, weil darauf die Gartenstühle hochgeklappt sind. Das war mir noch nie aufgefallen. Das Gewinnerfoto hatte sich für mich schon überraschenderweise als klarer Favorit herauskristallisiert. Ich finde jedoch im Nachhinein, dass die “Masse”, also die Summe der so Befragten, durchaus Recht hat und freue mich darüber. Weil mein persönliches Lieblingsmotiv nicht allzu weit an zweiter Stelle lag, habe ich kurzerhand zwei Postkarten gedruckt.

Aber ich muss gestehen, dass ich die Aktion nicht nur wegen der Bilder an sich durchgeführt habe. Ich wollte mit dem Versuch bislang stille Leser meines Newsletters oder Blogs damit auch aus der Reserve locken, was überraschenderweise sehr gut gelang. Die Rückmeldungen kamen auf allen erdenklichen Wegen, nicht nur im Blog per Kommentar. Ich bekam Rückmeldungen von Stammgästen, mit denen ich mich länger nicht mehr persönlich ausgetauscht hatte, aber auch von anderen Gästen, die die Kommentarfunktion auch dazu benutzten, um uns zu empfehlen. Das freut mich natürlich. Ganz besonders freut mich aber, dass einer der Kommentatoren, der in der ersten Befragung am kritischsten war und meinte, dass “eigentlich keines der gezeigten Motive so richtig in Frage” käme, nach der Zusendung der fertigen Postkarten meinte “das vorgelegte Ergebnis der Befragung überzeugt mich inzwischen”.

Ich habe durch die Aktion also nicht nur zwei Postkartenmotive ausgewählt, die ich auch selbst für gut erachte, sondern habe auch einige wichtige Rückmeldungen und Ratschläge bekommen und auch den Dialog mit Stammgästen und bisherigen Twitter- und XING-Bekanntschaften vertiefen können. Diese Art der Befragung kann ich also wärmstens empfehlen, wenngleich ich mich scheuen würde, sie zu oft anzuwenden.

Kannst Du ungefähr abschätzen, wieviele Antworten/Reaktionen Du auf diese Geschichte bekommen hast und wie sich die Aktion insgesamt auf die Wahrnehmung Deines Hotels in der Öffentlichkeit ausgewirkt hat?

Es waren etwa 35 konkrete Rückmeldungen zur Motivauswahl durch verschiedene Online-Kanäle sowie eine Handvoll, die mich persönlich darauf ansprachen. Darüber hinaus gibt es natürlich noch die nachfolgenden Reaktionen wie die Rückmeldungen auf die verschickten Postkarten und Dein Blogartikel.

Ich bezweifele, ob die Aktion, für sich gesehen, es vermocht hat die Wahrnehmung des Hotels in der Öffentlichkeit zu verändern. Zusammen mit allen anderen social media Projekten (facebook fan page, twitter, Blog etc.) kann die Aktion jedoch sehr wohl ein Baustein sein, dem Schloss ein bestimmtes “Gesicht” zu geben bzw. das Gesicht, das es hat, zu vermitteln. Im Landkreis bin ich im Kreise der Hoteliers und Gastronomen zumindest schon bekannt dafür, das “Online Schloss” zu sein. Was durchaus auch belächelt wird (siehe vorangegangenen Blogartikel “Ronomie” unter http://zeilitzheim.blogspot.com/2010/02/ronomie.html). Auf lange Sicht, wenn die Nutzung von social media immer mehr zur Normalität werden wird, wird sich das relativieren. Und dann wird es auch im Sinne der Öffentlichkeitsarbeit von Vorteil sein, schon “früh” solche Bausteine verwendet zu haben.

Für Dich passt ja romatisches Barockschloss und New Media wunderbar zusammen. Wie erklärst Du Kritikern und Skeptikern Deine Marketing-Philosophie? Und wird die Schloss-Homepage einen “moderneren” Anstrich bekommen?

Ich stoße bei den Kollegen regional (noch) auf Widerstand, wenn es um den betrieblichen Einsatz von social media geht. Weil ich als Unternehmer unweigerlich mit meinem Unternehmen als Person verbunden bin, empfinde ich gerade persönlichere Kommunikationsformen als bestens geeignet. Gerade ein Wirt oder Hotelier ist ja immer in erster Linie Gastgeber, bei dem man den persönlichen Kontakt auch sucht. Social media haben daher gerade für unsere Branche ein großes Potential. Ich sehe es aber auch nicht als meinen Auftrag an, irgendjemanden dahingehend zu bekehren. Jeder muss für sich wissen, ob der Einsatz solcher Medien für sich funktioniert. Ich sehe es auch weniger als “Marketing” als einfach nur als Kommunikation. Für mich sind dies keine Vertriebswege. Dass aber dennoch manchmal twitter Kontakte zu Freunden und auch zu Gästen werden, ist natürlich erfreulich.

Ja, die Schloss-Website unter www.barockschloss.de benötigt dringend ein Redesign. Sie ist vor 11 Jahren in Eigenarbeit entstanden. Es sind aber bereits konkrete Planungen im Gange (hier wird ein twitter / flickr Freund mir helfen, vll. die ganze Seite auf WordPress aufzusetzen). Für unsere Website, die ich erst vor ein paar Wochen für Nordamerika ins Netz stelle, konnte ich von vorneherein ein etwas moderneres Design einsetzen (http://bavariancastle.squarespace.com).

Ich finde es interessant, dass das, was manche Firmen als extensive neue Marketing-Linie betrachten und entsprechend “beackern”, für Dich tatsächlich einfach nur die Erweiterung der klassischen Kundenkommunikation ist. Macht meines Erachtens Dein Auftreten ziemlich authentisch.Wieviel Zeit investierst Du, um Blog, Twitter, Facebook und Co, zu “füttern”? Und wie ist es um Engagements in “realen” Netzwerken (BNI, BDS etc.) bestellt? Welchen Stellenwert haben diese Arten von Netzwerken für Dich?

Ich verbringe relativ viel Zeit im Netz (nicht nur mit dem “Füttern” von twitter etc. sondern auch beim Recherchieren und Lesen). Weil das Netz sowohl im Büro als auch zuhause fast immer im Hintergrund “mit läuft” ist es schwer zu sagen, wieviel Zeit ich speziell mit dem online Netzwerken verbringe. Aber insgesamt schon viel.

Die “realen” bzw. hauptsächlich durch persönliche Treffen organisierte Netzwerke spielen seither auch eine weniger wichtige Rolle in meinem Leben. Sie bringen vergleichsweise wenig und bedeuten neben dem Zeitaufwand oft auch Reisen oder zumindest Treffen ausser Haus. Für das Klären kurzer Fragen sind doch Kollaborationswerkzeuge wie email oder google Wave viel schneller. Das soll natürlich die Kontakte im realen Leben nicht ersetzen, aber diese dienen dann in erster Linie zur Pflege von Freundschaften und Kontakten. So trifft sich unser Gastronomennetz “Die LandWirt’n (http://www.dielandwirtn.de/) vierteljährlich und zu einer jährlichen Klausurtagung. Ergebnisse zu laufenden Projekten werden meiner Meinung nach jedoch online viel schneller und problemloser erzielt.

Was würdest Du Existenzgründern hinsichtlich Web 2.0-Aktivitäten raten?

Existenzgründern rate ich zu allererst im web2.0 kein Allheilmittel zu sehen und in dieses auch nicht allzu hohe Erwartungen zu setzen. Die Kommunikationswerkzeuge wie twitter, facebook, xing etc. sind nur das: Werkzeuge. Die Nachricht ist das, was zählt. Wenn man an das glaubt, was man tut, wird, denke ich, auch die Nachricht stimmen. Vor allem sollte man nicht zu viel zu schnell erwarten. Followerzahlen steigen langsam. Die Zahlen sind auch nicht das, was zählt, sondern die Qualität / Relevanz dieser Kontakte. Es braucht manchmal nur einen Kontakt / Gespräch um eine zündende Idee voran zu treiben. Daran sollte man glauben und nicht in jedem Kontakt / Gespräch ein Verkaufspotential sehen.

In Anlehnung an das Karriereblog: Was bedeutet für Dich Erfolg?

Für mich ist Erfolg in erster Linie, wenn man das gut tut, woran man auch glaubt.

Alexander, vielen Dank, dass Du Dir die Zeit genommen hast, meine Fragen zu beantworten. Viel Erfolg weiterhin.

Um etwaigen Kritikern zuvor zukommen: Nein, der Artikel und das Interview sind nicht von Alexander “gekauft” worden – ich fand die Aktion einfach bemerkenswert und wollte etwas hinter die Kulissen schauen. Denn ein romatisches Barockschloss und Social Media, das war mir bisher so nicht untergekommen.

 
2 Comments

Geschrieben von - 4. Februar 2010 in Allgemeines, CoolStuff, Interview, Web 2.0

 

Schlagwörter: , , , , , , ,

Akquise mit persönlicher Note – Beispiel Barockschloss Zeilitzheim

Customer-Relationship-Management, kurz CRM, ist eine der Kerndisziplinen, die ein Unternehmen heute beherrschen muss, wenn es am Markt erfolgreich sein will. Und so gibt es kaum ein mittelständisches Unternehmen (von den Großkonzernen ganz zu schweigen), die nicht irgendein großes CRM-Tool im Einsatz haben. Doch Technik ist nur die eine Seite der Medaille, denn ohne eine gut gepflegte persönliche Basis nutzt auch das beste Tool nichts.

Bei den Bestandskunden ist das Pflegen der persönlichen Beziehung zwischen Vertriebler und dem Entscheider beim Kunden enorm wichtig, denn diese Pflege kostet deutlich weniger als die Neukundengewinnung. Wie aber baut man eine persönliche Beziehung zu Kunden auf, die man noch gar nicht hat?

(c) Barockschloss Zeilitzheim, Alexander von Halem

Wie so etwas u.a. mit dem Einsatz von social media gehen kann, habe ich unlängst selbst erfahren dürfen. Vor ein paar Wochen twitterte „barockschloss“, er suche für die Werbepostkarten noch ein passendes Motiv. Der beigefügte Link führte auf eine Seite, auf der diverse Bilder des Barockschlosses Zeilitzheim zu sehen waren. Per Twitter-Reply konnte man nun Alexander von Halem, dem Geschäftsführer und Kopf hinter „barockschloss“, seine Vorschläge unterbreiten. So weit, so gut.

Nun, Anfang Februar, liegt ein Brief in meinem Briefkasten. Inhalt: Zwei Postkarten der neuen Serie. Ich weiß gar nicht mehr, ob ich sogar diese Motive vorgeschlagen habe… Auf der Rückseite ein kleines, gelbes Post-It mit einer kurzen, persönlichen Dankesnote.

Die Folge: Erstens habe ich sofort die Homepage aufgesucht und mich umgesehen. Die Seite ist zwar für meinen Geschmack oldfashioned (daran arbeitet Alexander bestimmt schon), liefert aber ohne Schnickschnack die Informationen, die man sucht. Zweitens: Sollte ich jemals die Zeit finden, mit meiner Familie Urlaub in Weinfranken zu machen, werde ich bei Alexander einchecken, denn die Location scheint wirklich besonders. Und der Twitterer barockschloss ist jetzt nicht nur irgendein Twitter-Account, sondern ich verbinde mit diesem Namen ein konkretes Gesicht und Produkt sowie ein interessantes, positives Erlebnis jenseits der üblichen Marketing-Schreierei.

 
Leave a comment

Geschrieben von - 4. Februar 2010 in CoolStuff, Web 2.0

 

Schlagwörter: , , , ,

 
Follow

Bekomme jeden neuen Artikel in deinen Posteingang.

Join 205 other followers