Achtung, Teddy! 2. Teil: Achtsamkeit fördern, Selbst-Management verbessern

In Teil 1 haben wir gesehen, wie uns die Wahrnehmungsautomatismen und Interpretationsmuster in die Irre führen können. Das kann kommunikative Missverständnisse auslösen und hat auch Auswirkungen auf die Qualität unseres Zeit- und Selbstmanagements. In Teil 2 beschäftigen wir uns mit Gegenstrategien.

Mangel an Achtsamkeit

Wie wir schon gesehen haben, sind die Automatismen in der Verarbeitung von Reizen ein Segen. Kein Vorteil ohne einen Nachteil: Wir sehen die Welt um uns herum nicht so, wie sie tatsächlich ist, sondern so, wie unser Gehirn meint, dass sie aussieht. Und das führt zu Fehleinschätzungen, die mehr oder minder schlimme Folgen haben können. Im Selbstmanagement begegnet uns das, wenn wir Entscheidungen treffen, wenn wir über Prioritäten nachdenken, wenn wir für Probleme und Fragestellungen Lösungen suchen usw. Unachtsamkeit führt zu falschen Prioritäten, zu Fehlannahmen, zu schlechten Entscheidungen.

Gib acht, mein Kind!

Dabei haben wir einen großartigen Helfer immer bei uns: Unser Unterbewusstsein. Du kennst sicher das komische Gefühl in der Magengegend, das sich bei manchen Bewertungen und Entscheidungen einstellt. Unachtsamkeit lässt uns dieses Gefühl viel zu oft ignorieren. Dabei sollten wir genau in diesen Momenten inne halten und in uns hineinhorchen. Denn: Wir Menschen sind in der Lage, uns selbst aus einer inneren Distanz heraus zu betrachten. Wir können uns selbst beobachten in dem, was wir gerade tun/denken und uns dabei selbst analysieren und beurteilen. Wir tun das nur in aller Regel viel zu selten. Und vielen Menschen fällt es schwer, sich auf eine solche innere Situation einzulassen. Hier zwei Möglichkeiten (von vielen!), die innere Achtsamkeit zu fördern und zu trainieren:

1. In der Behandlung von Verhaltensstörungen wird oft die von Edmund Jakobsen entwickelte progressive Muskelentspannung eingesetzt. Bei ihr soll durch das willentlich-bewusste An- und Entspannen einzelner Muskel ein Zustand tiefer Entspannung im ganzen Körper erreicht werden. Die Wirksamkeit dieser Methode gilt inzwischen als nachgewiesen. Wann, vom letzten Muskelkater einmal abgesehen, hast Du Dich bewusst auf einen Muskel konzentriert? Der Entspannungseffekt lässt sich auch schon mit der Konzentration auf die eigene Atmung erreichen. Das Schöne dabei: Es ist einfach, und mit etwas Übung braucht man nur ein paar Sekunden, um sich zu fokussieren.

2. Eine andere Variante kehrt etwas zur Ausgangsgeschichte zurück: Wann hast Du das letzte Mal bewusst an einer Blume gerochen, dem Klang der Vögel gelauscht? Wann hast Du das letzte Mal wertfrei den Regen auf Deiner Haut gespürt? Dann fange jetzt an, diese Dinge wieder in Deine Aufmerksamkeitsliste aufzunehmen. Beim Joggen kannst Du auf den mp3-Player verzichten, auf dem Weg zur Arbeit in der Bahn mal nicht die Zeitung lesen, sondern die Landschaft, die Haltestellen, die Menschen beobachten – glaube mir, es gibt viel wieder zu entdecken!

Diese Übungen helfen in vielschichtiger Hinsicht: Sie fördern die Konzentration, das Fokussieren, und lassen uns gerade in kritischen Momenten schneller in den inneren Dialog treten. Warum fühle ich gerade so? Welcher Impuls ist es, der mich jetzt auf diese Art handeln lassen will? Der Spruch “erst einmal tief durchatmen” hat seine Berechtigung!

Achtsamkeit ist ein Schlüssel zu effektiven Zeitmanagement! Gerade wenn mal wieder alles unter drunter geht, ist es wichtig, auf die eigene Wahrnehmung und die eigenen Gefühle zu achten. Der innere Abstand, den wir innerhalb Bruchteilen von Sekunden einnehmen können, hilft uns dabei, bewusstere Entscheidungen zu treffen. Wir können so unsere erlernten Reiz-Reaktionsmuster unterbrechen und bessere Wege finden.

Es gibt eine ganze Reihe psychologischer und neurobiologischer Effekte, die Einfluss auf unser Zeit- und Selbstmanagement haben. Wir können sie umgehen und abschwächen, wenn wir achtsam sind, wenn wir konzentriert und aufmerksam unsere Denkautomatismen und Interpretationen im Auge behalten. „Liebes Gehirn, ich weiß, was Du alles für mich leistest, aber sorry: Ein wenig Kontrolle muss sein.“

Tust Du die richtigen Dinge? Und tust Du sie richtig? Anhand welcher Kriterien bewertest Du, entscheidest Du? Was sind Deine Prioritäten?Achte auf Dich und Deine Wahrnehmung, und vor allem, wie Du mit diesen Wahrnehmungen umgehst. Du wirst es Dir danken.

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