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Interview mit Alexander von Halem alias “barockschloss”

04 Feb

Die twitter-Aktion von “barockschloss” hat mich beeindruckt. Neugierig wie ich bin habe ich Alexander von Halem gefragt, ob er mir ein paar Fragen beantworten würde. Er hat – kurzfristig und spontan, während sein Töchterchen Mittagschlaf gehalten hat (moderne Väter…). Hier das Interview und ein Video, damit Ihr einen Eindruck bekommt, wie es in so einem romantischen Barockschloss so aussieht.

Niels: Alexander, vielen Dank, dass Du Dir die Zeit für die Beantwortung von ein paar Fragen nimmst. Diese Crowd-Source-Aktion für die neuen Postkarten des Barockschlosses – war das eine spontane oder eine durchgeplante Aktion? Und warum hast Du ausgerechnet diesen Weg gewählt?

Alexander: Ja, wie vieles, was ich im Web anzettele bzw. in meinem Blog schreibe, war die Crowdsourcing-Aktion für das Postkartenmotiv eine ziemlich spontane Entscheidung, die ich auch recht schnell umgesetzt habe. Das heißt nicht, dass sie nicht schon auf wohl genährtem Boden gewachsen ist. Ich beobachte nämlich schon seit geraumer Zeit, was sich im Netz in dieser Hinsicht tut, wie gerade auch kleinere Familienunternehmen die Befragung ihrer Stammkunden zur Entscheidungsfindung einsetzen.

Ich habe diesen Weg (Einstellen von 6 Fotos im Schlossblog mit gleichzeitiger Verlinkung bei twitter, XING, Facebook und über den email Newsletter Verteiler) gewählt, weil ich mir neue Sichtweisen erhofft hatte. Und eben auch die Bestätigung oder Negierung meiner eigenen Meinung zur Bildauswahl. Das hat so auch bestens funktioniert, denn ich erhielt Hinweise, auf die ich aus eigener Betriebsblindheit sonst nie gekommen wäre. Beispiel: dass ein Foto nicht ginge, weil darauf die Gartenstühle hochgeklappt sind. Das war mir noch nie aufgefallen. Das Gewinnerfoto hatte sich für mich schon überraschenderweise als klarer Favorit herauskristallisiert. Ich finde jedoch im Nachhinein, dass die “Masse”, also die Summe der so Befragten, durchaus Recht hat und freue mich darüber. Weil mein persönliches Lieblingsmotiv nicht allzu weit an zweiter Stelle lag, habe ich kurzerhand zwei Postkarten gedruckt.

Aber ich muss gestehen, dass ich die Aktion nicht nur wegen der Bilder an sich durchgeführt habe. Ich wollte mit dem Versuch bislang stille Leser meines Newsletters oder Blogs damit auch aus der Reserve locken, was überraschenderweise sehr gut gelang. Die Rückmeldungen kamen auf allen erdenklichen Wegen, nicht nur im Blog per Kommentar. Ich bekam Rückmeldungen von Stammgästen, mit denen ich mich länger nicht mehr persönlich ausgetauscht hatte, aber auch von anderen Gästen, die die Kommentarfunktion auch dazu benutzten, um uns zu empfehlen. Das freut mich natürlich. Ganz besonders freut mich aber, dass einer der Kommentatoren, der in der ersten Befragung am kritischsten war und meinte, dass “eigentlich keines der gezeigten Motive so richtig in Frage” käme, nach der Zusendung der fertigen Postkarten meinte “das vorgelegte Ergebnis der Befragung überzeugt mich inzwischen”.

Ich habe durch die Aktion also nicht nur zwei Postkartenmotive ausgewählt, die ich auch selbst für gut erachte, sondern habe auch einige wichtige Rückmeldungen und Ratschläge bekommen und auch den Dialog mit Stammgästen und bisherigen Twitter- und XING-Bekanntschaften vertiefen können. Diese Art der Befragung kann ich also wärmstens empfehlen, wenngleich ich mich scheuen würde, sie zu oft anzuwenden.

Kannst Du ungefähr abschätzen, wieviele Antworten/Reaktionen Du auf diese Geschichte bekommen hast und wie sich die Aktion insgesamt auf die Wahrnehmung Deines Hotels in der Öffentlichkeit ausgewirkt hat?

Es waren etwa 35 konkrete Rückmeldungen zur Motivauswahl durch verschiedene Online-Kanäle sowie eine Handvoll, die mich persönlich darauf ansprachen. Darüber hinaus gibt es natürlich noch die nachfolgenden Reaktionen wie die Rückmeldungen auf die verschickten Postkarten und Dein Blogartikel.

Ich bezweifele, ob die Aktion, für sich gesehen, es vermocht hat die Wahrnehmung des Hotels in der Öffentlichkeit zu verändern. Zusammen mit allen anderen social media Projekten (facebook fan page, twitter, Blog etc.) kann die Aktion jedoch sehr wohl ein Baustein sein, dem Schloss ein bestimmtes “Gesicht” zu geben bzw. das Gesicht, das es hat, zu vermitteln. Im Landkreis bin ich im Kreise der Hoteliers und Gastronomen zumindest schon bekannt dafür, das “Online Schloss” zu sein. Was durchaus auch belächelt wird (siehe vorangegangenen Blogartikel “Ronomie” unter http://zeilitzheim.blogspot.com/2010/02/ronomie.html). Auf lange Sicht, wenn die Nutzung von social media immer mehr zur Normalität werden wird, wird sich das relativieren. Und dann wird es auch im Sinne der Öffentlichkeitsarbeit von Vorteil sein, schon “früh” solche Bausteine verwendet zu haben.

Für Dich passt ja romatisches Barockschloss und New Media wunderbar zusammen. Wie erklärst Du Kritikern und Skeptikern Deine Marketing-Philosophie? Und wird die Schloss-Homepage einen “moderneren” Anstrich bekommen?

Ich stoße bei den Kollegen regional (noch) auf Widerstand, wenn es um den betrieblichen Einsatz von social media geht. Weil ich als Unternehmer unweigerlich mit meinem Unternehmen als Person verbunden bin, empfinde ich gerade persönlichere Kommunikationsformen als bestens geeignet. Gerade ein Wirt oder Hotelier ist ja immer in erster Linie Gastgeber, bei dem man den persönlichen Kontakt auch sucht. Social media haben daher gerade für unsere Branche ein großes Potential. Ich sehe es aber auch nicht als meinen Auftrag an, irgendjemanden dahingehend zu bekehren. Jeder muss für sich wissen, ob der Einsatz solcher Medien für sich funktioniert. Ich sehe es auch weniger als “Marketing” als einfach nur als Kommunikation. Für mich sind dies keine Vertriebswege. Dass aber dennoch manchmal twitter Kontakte zu Freunden und auch zu Gästen werden, ist natürlich erfreulich.

Ja, die Schloss-Website unter www.barockschloss.de benötigt dringend ein Redesign. Sie ist vor 11 Jahren in Eigenarbeit entstanden. Es sind aber bereits konkrete Planungen im Gange (hier wird ein twitter / flickr Freund mir helfen, vll. die ganze Seite auf WordPress aufzusetzen). Für unsere Website, die ich erst vor ein paar Wochen für Nordamerika ins Netz stelle, konnte ich von vorneherein ein etwas moderneres Design einsetzen (http://bavariancastle.squarespace.com).

Ich finde es interessant, dass das, was manche Firmen als extensive neue Marketing-Linie betrachten und entsprechend “beackern”, für Dich tatsächlich einfach nur die Erweiterung der klassischen Kundenkommunikation ist. Macht meines Erachtens Dein Auftreten ziemlich authentisch.Wieviel Zeit investierst Du, um Blog, Twitter, Facebook und Co, zu “füttern”? Und wie ist es um Engagements in “realen” Netzwerken (BNI, BDS etc.) bestellt? Welchen Stellenwert haben diese Arten von Netzwerken für Dich?

Ich verbringe relativ viel Zeit im Netz (nicht nur mit dem “Füttern” von twitter etc. sondern auch beim Recherchieren und Lesen). Weil das Netz sowohl im Büro als auch zuhause fast immer im Hintergrund “mit läuft” ist es schwer zu sagen, wieviel Zeit ich speziell mit dem online Netzwerken verbringe. Aber insgesamt schon viel.

Die “realen” bzw. hauptsächlich durch persönliche Treffen organisierte Netzwerke spielen seither auch eine weniger wichtige Rolle in meinem Leben. Sie bringen vergleichsweise wenig und bedeuten neben dem Zeitaufwand oft auch Reisen oder zumindest Treffen ausser Haus. Für das Klären kurzer Fragen sind doch Kollaborationswerkzeuge wie email oder google Wave viel schneller. Das soll natürlich die Kontakte im realen Leben nicht ersetzen, aber diese dienen dann in erster Linie zur Pflege von Freundschaften und Kontakten. So trifft sich unser Gastronomennetz “Die LandWirt’n (http://www.dielandwirtn.de/) vierteljährlich und zu einer jährlichen Klausurtagung. Ergebnisse zu laufenden Projekten werden meiner Meinung nach jedoch online viel schneller und problemloser erzielt.

Was würdest Du Existenzgründern hinsichtlich Web 2.0-Aktivitäten raten?

Existenzgründern rate ich zu allererst im web2.0 kein Allheilmittel zu sehen und in dieses auch nicht allzu hohe Erwartungen zu setzen. Die Kommunikationswerkzeuge wie twitter, facebook, xing etc. sind nur das: Werkzeuge. Die Nachricht ist das, was zählt. Wenn man an das glaubt, was man tut, wird, denke ich, auch die Nachricht stimmen. Vor allem sollte man nicht zu viel zu schnell erwarten. Followerzahlen steigen langsam. Die Zahlen sind auch nicht das, was zählt, sondern die Qualität / Relevanz dieser Kontakte. Es braucht manchmal nur einen Kontakt / Gespräch um eine zündende Idee voran zu treiben. Daran sollte man glauben und nicht in jedem Kontakt / Gespräch ein Verkaufspotential sehen.

In Anlehnung an das Karriereblog: Was bedeutet für Dich Erfolg?

Für mich ist Erfolg in erster Linie, wenn man das gut tut, woran man auch glaubt.

Alexander, vielen Dank, dass Du Dir die Zeit genommen hast, meine Fragen zu beantworten. Viel Erfolg weiterhin.

Um etwaigen Kritikern zuvor zukommen: Nein, der Artikel und das Interview sind nicht von Alexander “gekauft” worden – ich fand die Aktion einfach bemerkenswert und wollte etwas hinter die Kulissen schauen. Denn ein romatisches Barockschloss und Social Media, das war mir bisher so nicht untergekommen.

 
2 Comments

Geschrieben von - 4. Februar 2010 in Allgemeines, CoolStuff, Interview, Web 2.0

 

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2 Antworten zu Interview mit Alexander von Halem alias “barockschloss”

  1. Jürgen H. Krenzer

    6. Februar 2010 at 12:50

    Guter, authentischer und ehrlicher Bericht. Danke dafür! Schafe Grüsse Jürgen

     

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