Verfasst von: Niels | 9. Februar 2010

Per Speeddating zum neuen Job?

Es geistert gerade durch die Gazetten der Republik (z.B. in der Süddeutschen): Statt stundenlanger Auswahlgespräche lädt man alle Bewerber auf einmal ein und veranstaltet ein Speeddating. Spart Zeit, ist trendy und ziemlich innovativ – findet die Arbeitsagentur. Oder?

Ganz ehrlich: Ich halte diese Form der Personalauswahl für blanken Unsinn und für die exponentielle Steigerung der Ineffektivität althergebrachter Auswahlverfahren. Es ist schon müßig darüber nachzudenken, ob man anhand einer Bewerbungsmappe und eines einstündigen Gespräches einen geeigneten neuen Mitarbeiter finden kann – kann man meines Erachtens eher nicht. Noch weniger glaube ich, dass die Arbeitsvermittler der Arbeitsagentur hier wirklich langfristig etwas für Arbeitsuchende werden tun können. 

Ob ein Bewerber fachlich und menschlich ins Team passt und ob er die erwartete Leistung bringen wird, lässt sich schon anhand der konventionellen Formen der Bewerbungsverfahren nur unzureichend feststellen. Auch Assessmentcenter können nicht feststellen, ob der Bewerber sich in die Unternehmenskultur mit all seinen ungeschriebenen Gesetzen und Werten wird integrieren können, weil die AC die wahre Unternehmenskultur in der Regel nicht kennen – und auch gar nicht kennen können. Die AC liefern daher in einem konventionellen Bewerbungsverfahren über die professionellen Profilings lediglich Wahrscheinlichkeiten zu – mehr nicht (wobei hier die qualitative Schwankungsbreite recht hoch ist und die Auswahl eines geeigneten AC-Anbieters ein zeitintensiver Prozess ist).

Insofern ist der Ansatz des Speeddatings zumindest aus der Sicht der Personalverantwortlichen und der Arbeitsvermittler gar nicht mal so blöd. Verkürzt er doch den Blick in die Glaskugel ungemein. Effektiver und innovativer wird das Verfahren dadurch allerdings nicht. Ich habe darüber hinaus große Zweifel, dass sich Arbeitgeber auf der Suche nach qualifiziertem Personal auf diese Methodik einlassen werden.

Personalakquise wandelt sich. Vor dem Hintergrund des demografischen Wandels und der technische Möglichkeiten des Web 2.0 eröffnen sich dem employer branding völlig neue Perspektiven. Personalakquise wird sich zunehmend von einem eher kurzfristig orientieren Stellenausschreibungsverfahren zu einem langfristigen, strategischen Prozess entwickeln, der schon vor der konkreten Bedarfssituation ansetzt und versucht, das eigene Netzwerk für die Gewinnung potentieller Kandidaten zu nutzen.

Employer Branding ist schon längst keine insuläre Veranstaltung der HR-Verantwortlichen mehr. Vielmehr entsteht aus dem Zusammenspiel von HR, PR und Marketing ein Gesamtbild des Unternehmens in der Öffentlichkeit, dass nicht mehr von den reinen Produktkatalogen bestimmt wird. Exemplarisch und musterhaft sei hier der Versandhauskonzern Otto genannt – Otto twittert, ist bei Facebook vertreten, hat mehrere Youtube-Kanäle, veranstaltet Barcamps… Alles mit dem Hintergedanken, im öffentlichen Resonanzsystem des Internets (und über diesen Weg auch darüber hinaus) als Unternehmen positiv wahrgenommen zu werden und letztlich damit auch Umsätze zu generieren. Aber eben auch mit dem Ziel, potentielle künftige Mitarbeiter auf sich aufmerksam zu machen und pro-aktiv ins Otto-Netzwerk einzubinden.

Die Arbeitsagentur täte gut daran, sich damit zu beschäftigen, wie sie diesen Trend für die eigene Klientel nutzbar machen und gleichzeitig den sich verändernden strategischen Vorgehensweisen der Arbeitgeber zuarbeiten kann. Speeddating ist dazu ganz sicher nicht geeignet.

Verfasst von: Niels | 8. Februar 2010

Lachen ist ansteckend

…das beweist diese kleine Filmchen hier. Darüber hinaus ist es eine kleine Lehrstunde in Sachen Gruppendynamik an sich. Sehr unterhaltsam – und irgendwie kommt einem die Situation schon bekannt vor, oder?

Wir Menschen sind soziale Wesen. Um ein erfülltes, erfolgreiches Leben zu führen, bedarf es daher der sozialen Interaktion mit unseres Gleichen. Stephen Covey nennt dies das Prinzip der Interdependenz.

Eine einfache und nette Parabel dazu von Irvin Y. Dalom (“Die Reise mit Paula”) habe ich im Blog von Wolfgang Natzke gefunden – eine kurze Kurzgeschichte über den Unterschied von Himmel und Hölle, von Egoismus und Gegenseitigkeit, von Darben und Überleben.

Verfasst von: Niels | 4. Februar 2010

Interview mit Alexander von Halem alias “barockschloss”

Die twitter-Aktion von “barockschloss” hat mich beeindruckt. Neugierig wie ich bin habe ich Alexander von Halem gefragt, ob er mir ein paar Fragen beantworten würde. Er hat – kurzfristig und spontan, während sein Töchterchen Mittagschlaf gehalten hat (moderne Väter…). Hier das Interview und ein Video, damit Ihr einen Eindruck bekommt, wie es in so einem romantischen Barockschloss so aussieht.

Niels: Alexander, vielen Dank, dass Du Dir die Zeit für die Beantwortung von ein paar Fragen nimmst. Diese Crowd-Source-Aktion für die neuen Postkarten des Barockschlosses – war das eine spontane oder eine durchgeplante Aktion? Und warum hast Du ausgerechnet diesen Weg gewählt?

Alexander: Ja, wie vieles, was ich im Web anzettele bzw. in meinem Blog schreibe, war die Crowdsourcing-Aktion für das Postkartenmotiv eine ziemlich spontane Entscheidung, die ich auch recht schnell umgesetzt habe. Das heißt nicht, dass sie nicht schon auf wohl genährtem Boden gewachsen ist. Ich beobachte nämlich schon seit geraumer Zeit, was sich im Netz in dieser Hinsicht tut, wie gerade auch kleinere Familienunternehmen die Befragung ihrer Stammkunden zur Entscheidungsfindung einsetzen.

Ich habe diesen Weg (Einstellen von 6 Fotos im Schlossblog mit gleichzeitiger Verlinkung bei twitter, XING, Facebook und über den email Newsletter Verteiler) gewählt, weil ich mir neue Sichtweisen erhofft hatte. Und eben auch die Bestätigung oder Negierung meiner eigenen Meinung zur Bildauswahl. Das hat so auch bestens funktioniert, denn ich erhielt Hinweise, auf die ich aus eigener Betriebsblindheit sonst nie gekommen wäre. Beispiel: dass ein Foto nicht ginge, weil darauf die Gartenstühle hochgeklappt sind. Das war mir noch nie aufgefallen. Das Gewinnerfoto hatte sich für mich schon überraschenderweise als klarer Favorit herauskristallisiert. Ich finde jedoch im Nachhinein, dass die “Masse”, also die Summe der so Befragten, durchaus Recht hat und freue mich darüber. Weil mein persönliches Lieblingsmotiv nicht allzu weit an zweiter Stelle lag, habe ich kurzerhand zwei Postkarten gedruckt.

Aber ich muss gestehen, dass ich die Aktion nicht nur wegen der Bilder an sich durchgeführt habe. Ich wollte mit dem Versuch bislang stille Leser meines Newsletters oder Blogs damit auch aus der Reserve locken, was überraschenderweise sehr gut gelang. Die Rückmeldungen kamen auf allen erdenklichen Wegen, nicht nur im Blog per Kommentar. Ich bekam Rückmeldungen von Stammgästen, mit denen ich mich länger nicht mehr persönlich ausgetauscht hatte, aber auch von anderen Gästen, die die Kommentarfunktion auch dazu benutzten, um uns zu empfehlen. Das freut mich natürlich. Ganz besonders freut mich aber, dass einer der Kommentatoren, der in der ersten Befragung am kritischsten war und meinte, dass “eigentlich keines der gezeigten Motive so richtig in Frage” käme, nach der Zusendung der fertigen Postkarten meinte “das vorgelegte Ergebnis der Befragung überzeugt mich inzwischen”.

Ich habe durch die Aktion also nicht nur zwei Postkartenmotive ausgewählt, die ich auch selbst für gut erachte, sondern habe auch einige wichtige Rückmeldungen und Ratschläge bekommen und auch den Dialog mit Stammgästen und bisherigen Twitter- und XING-Bekanntschaften vertiefen können. Diese Art der Befragung kann ich also wärmstens empfehlen, wenngleich ich mich scheuen würde, sie zu oft anzuwenden.

Kannst Du ungefähr abschätzen, wieviele Antworten/Reaktionen Du auf diese Geschichte bekommen hast und wie sich die Aktion insgesamt auf die Wahrnehmung Deines Hotels in der Öffentlichkeit ausgewirkt hat?

Es waren etwa 35 konkrete Rückmeldungen zur Motivauswahl durch verschiedene Online-Kanäle sowie eine Handvoll, die mich persönlich darauf ansprachen. Darüber hinaus gibt es natürlich noch die nachfolgenden Reaktionen wie die Rückmeldungen auf die verschickten Postkarten und Dein Blogartikel.

Ich bezweifele, ob die Aktion, für sich gesehen, es vermocht hat die Wahrnehmung des Hotels in der Öffentlichkeit zu verändern. Zusammen mit allen anderen social media Projekten (facebook fan page, twitter, Blog etc.) kann die Aktion jedoch sehr wohl ein Baustein sein, dem Schloss ein bestimmtes “Gesicht” zu geben bzw. das Gesicht, das es hat, zu vermitteln. Im Landkreis bin ich im Kreise der Hoteliers und Gastronomen zumindest schon bekannt dafür, das “Online Schloss” zu sein. Was durchaus auch belächelt wird (siehe vorangegangenen Blogartikel “Ronomie” unter http://zeilitzheim.blogspot.com/2010/02/ronomie.html). Auf lange Sicht, wenn die Nutzung von social media immer mehr zur Normalität werden wird, wird sich das relativieren. Und dann wird es auch im Sinne der Öffentlichkeitsarbeit von Vorteil sein, schon “früh” solche Bausteine verwendet zu haben.

Für Dich passt ja romatisches Barockschloss und New Media wunderbar zusammen. Wie erklärst Du Kritikern und Skeptikern Deine Marketing-Philosophie? Und wird die Schloss-Homepage einen “moderneren” Anstrich bekommen?

Ich stoße bei den Kollegen regional (noch) auf Widerstand, wenn es um den betrieblichen Einsatz von social media geht. Weil ich als Unternehmer unweigerlich mit meinem Unternehmen als Person verbunden bin, empfinde ich gerade persönlichere Kommunikationsformen als bestens geeignet. Gerade ein Wirt oder Hotelier ist ja immer in erster Linie Gastgeber, bei dem man den persönlichen Kontakt auch sucht. Social media haben daher gerade für unsere Branche ein großes Potential. Ich sehe es aber auch nicht als meinen Auftrag an, irgendjemanden dahingehend zu bekehren. Jeder muss für sich wissen, ob der Einsatz solcher Medien für sich funktioniert. Ich sehe es auch weniger als “Marketing” als einfach nur als Kommunikation. Für mich sind dies keine Vertriebswege. Dass aber dennoch manchmal twitter Kontakte zu Freunden und auch zu Gästen werden, ist natürlich erfreulich.

Ja, die Schloss-Website unter www.barockschloss.de benötigt dringend ein Redesign. Sie ist vor 11 Jahren in Eigenarbeit entstanden. Es sind aber bereits konkrete Planungen im Gange (hier wird ein twitter / flickr Freund mir helfen, vll. die ganze Seite auf WordPress aufzusetzen). Für unsere Website, die ich erst vor ein paar Wochen für Nordamerika ins Netz stelle, konnte ich von vorneherein ein etwas moderneres Design einsetzen (http://bavariancastle.squarespace.com).

Ich finde es interessant, dass das, was manche Firmen als extensive neue Marketing-Linie betrachten und entsprechend “beackern”, für Dich tatsächlich einfach nur die Erweiterung der klassischen Kundenkommunikation ist. Macht meines Erachtens Dein Auftreten ziemlich authentisch.Wieviel Zeit investierst Du, um Blog, Twitter, Facebook und Co, zu “füttern”? Und wie ist es um Engagements in “realen” Netzwerken (BNI, BDS etc.) bestellt? Welchen Stellenwert haben diese Arten von Netzwerken für Dich?

Ich verbringe relativ viel Zeit im Netz (nicht nur mit dem “Füttern” von twitter etc. sondern auch beim Recherchieren und Lesen). Weil das Netz sowohl im Büro als auch zuhause fast immer im Hintergrund “mit läuft” ist es schwer zu sagen, wieviel Zeit ich speziell mit dem online Netzwerken verbringe. Aber insgesamt schon viel.

Die “realen” bzw. hauptsächlich durch persönliche Treffen organisierte Netzwerke spielen seither auch eine weniger wichtige Rolle in meinem Leben. Sie bringen vergleichsweise wenig und bedeuten neben dem Zeitaufwand oft auch Reisen oder zumindest Treffen ausser Haus. Für das Klären kurzer Fragen sind doch Kollaborationswerkzeuge wie email oder google Wave viel schneller. Das soll natürlich die Kontakte im realen Leben nicht ersetzen, aber diese dienen dann in erster Linie zur Pflege von Freundschaften und Kontakten. So trifft sich unser Gastronomennetz “Die LandWirt’n (http://www.dielandwirtn.de/) vierteljährlich und zu einer jährlichen Klausurtagung. Ergebnisse zu laufenden Projekten werden meiner Meinung nach jedoch online viel schneller und problemloser erzielt.

Was würdest Du Existenzgründern hinsichtlich Web 2.0-Aktivitäten raten?

Existenzgründern rate ich zu allererst im web2.0 kein Allheilmittel zu sehen und in dieses auch nicht allzu hohe Erwartungen zu setzen. Die Kommunikationswerkzeuge wie twitter, facebook, xing etc. sind nur das: Werkzeuge. Die Nachricht ist das, was zählt. Wenn man an das glaubt, was man tut, wird, denke ich, auch die Nachricht stimmen. Vor allem sollte man nicht zu viel zu schnell erwarten. Followerzahlen steigen langsam. Die Zahlen sind auch nicht das, was zählt, sondern die Qualität / Relevanz dieser Kontakte. Es braucht manchmal nur einen Kontakt / Gespräch um eine zündende Idee voran zu treiben. Daran sollte man glauben und nicht in jedem Kontakt / Gespräch ein Verkaufspotential sehen.

In Anlehnung an das Karriereblog: Was bedeutet für Dich Erfolg?

Für mich ist Erfolg in erster Linie, wenn man das gut tut, woran man auch glaubt.

Alexander, vielen Dank, dass Du Dir die Zeit genommen hast, meine Fragen zu beantworten. Viel Erfolg weiterhin.

Um etwaigen Kritikern zuvor zukommen: Nein, der Artikel und das Interview sind nicht von Alexander “gekauft” worden – ich fand die Aktion einfach bemerkenswert und wollte etwas hinter die Kulissen schauen. Denn ein romatisches Barockschloss und Social Media, das war mir bisher so nicht untergekommen.

Customer-Relationship-Management, kurz CRM, ist eine der Kerndisziplinen, die ein Unternehmen heute beherrschen muss, wenn es am Markt erfolgreich sein will. Und so gibt es kaum ein mittelständisches Unternehmen (von den Großkonzernen ganz zu schweigen), die nicht irgendein großes CRM-Tool im Einsatz haben. Doch Technik ist nur die eine Seite der Medaille, denn ohne eine gut gepflegte persönliche Basis nutzt auch das beste Tool nichts.

Bei den Bestandskunden ist das Pflegen der persönlichen Beziehung zwischen Vertriebler und dem Entscheider beim Kunden enorm wichtig, denn diese Pflege kostet deutlich weniger als die Neukundengewinnung. Wie aber baut man eine persönliche Beziehung zu Kunden auf, die man noch gar nicht hat?

(c) Barockschloss Zeilitzheim, Alexander von Halem

Wie so etwas u.a. mit dem Einsatz von social media gehen kann, habe ich unlängst selbst erfahren dürfen. Vor ein paar Wochen twitterte „barockschloss“, er suche für die Werbepostkarten noch ein passendes Motiv. Der beigefügte Link führte auf eine Seite, auf der diverse Bilder des Barockschlosses Zeilitzheim zu sehen waren. Per Twitter-Reply konnte man nun Alexander von Halem, dem Geschäftsführer und Kopf hinter „barockschloss“, seine Vorschläge unterbreiten. So weit, so gut.

Nun, Anfang Februar, liegt ein Brief in meinem Briefkasten. Inhalt: Zwei Postkarten der neuen Serie. Ich weiß gar nicht mehr, ob ich sogar diese Motive vorgeschlagen habe… Auf der Rückseite ein kleines, gelbes Post-It mit einer kurzen, persönlichen Dankesnote.

Die Folge: Erstens habe ich sofort die Homepage aufgesucht und mich umgesehen. Die Seite ist zwar für meinen Geschmack oldfashioned (daran arbeitet Alexander bestimmt schon), liefert aber ohne Schnickschnack die Informationen, die man sucht. Zweitens: Sollte ich jemals die Zeit finden, mit meiner Familie Urlaub in Weinfranken zu machen, werde ich bei Alexander einchecken, denn die Location scheint wirklich besonders. Und der Twitterer barockschloss ist jetzt nicht nur irgendein Twitter-Account, sondern ich verbinde mit diesem Namen ein konkretes Gesicht und Produkt sowie ein interessantes, positives Erlebnis jenseits der üblichen Marketing-Schreierei.

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